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Nachrichten

Zur Informationsgewinnung gibt es in meinem kleinen Heimatdorf das Fernsehen, das Radio, Zeitungen, sowie schnelles Internet und lahmes Internet. Es ist ja nicht so, das Spätzlesdorf von der Außenwelt isoliert lebt.

Für die Ortsinternen Nachrichten gibt es ein wöchentlich erscheinendes Mitteilungblatt in dem sich die Gemeindeverwaltung, die Kirchen und Vereine, wie auch die Schulen austoben dürfen. Dieses Blättchen gibt es nicht umsonst. Wer es nicht abonniert hat, muss sich durchfragen oder dumm sterben.

Es gibt auch Nachrichten, die für manche Bewohner erheblich wichtiger sind. Diese Nachrichten werden aber nur intern und unter vorgehaltener Hand weitergeleitet- der Dorftratsch.

Sie wissen schon, wer bekommt ein Kind und weiß ihr Mann davon? Ist die Frau überhaupt verheiratet oder wächst das Kind dann barbarisch auf? Wer muss sein Haus verkaufen und wer hat einen Unfall gebaut?

Um solche Informationen zu erhalten reden die Spätzlesbacher am Gartenzaun mit dem Nachbarn. Sie gewinnen die Informationen beim Metzger oder anderen Geschäften und natürlich bei der Grabpflege auf dem Friedhof. Da hört niemand zu.

Es kann manchmal Tage dauern bis wichtiges Getratsche die Runde gemacht hat. Der Wahrheitsgehalt dieser Nachrichten wird selbstverständlich nicht überprüft. Deswegen gibt es in meinem kleinen Heimatdorf immer wieder mal ein Wunder. Querschnittsgelähmte können plötzlich wieder gehen. Tote sind auferstanden (und das nicht nur zu Ostern).

Und die kleine blonde Frau, die erst seit einem Jahr in Spätzlesbach wohnt und alle Männer ansext hat wohl abgetrieben. Dabei war sie von acht verschiedenen Männern bereits im siebten, im achten und im neunten Monat schwanger.

Das hier Fehler in der Nachrichtenübermittlung oder einfach viel Interpretationsfreiräume im Spiel waren, würde keiner zugeben. „Mir wurde das genauso erzählt.“

Die Jüngeren im Ort sind da etwas genauer. Dank Fotohandys und sozialen Netzwerken werden von einem Unfall nicht nur nackte Informationen verbreitet. Bilder oder Filme bestätigen die Aussage dabei und im Gruppenchat der Netzwerke wird dann soviel hin und hergeschrieben, dass man dem Wahrheitsgehalt ziemlich nahe kommt.

Konnte man früher durch entsprechende Alibis und geschickter Windung aus der Gerüchteküche entkommen, so hat man heute fast keine Chance mehr. Zu erdrückend ist die Beweislast.

Dabei bleiben die Jüngeren aber nicht nur unter sich. Jeder ist dabei. Wenn sich der Hubers Georg mit seinen 78 Jahren in seiner Weißweinglückseligkeit auf dem Heimweg von einem Gartenfest mit den Vorderzähnen in einem Gully verfängt, ist das Video davon nach drei Minuten online. Drei weitere Minuten später hat es die Runde in den entsprechenden Gruppen gemacht. Spätestens am nächsten Tag zwischen Frühmesse und Mittagessen hat es jeder gesehen. Auch der Pfarrer und der Hubers Georg.

Dabei freuen sich die Jungen, dass es auch die Älterne erwischt.

Sollte es in deinem kleinen Heimatdorf auch so zugehen, so sei dir versichert- Spätzlesbach ist fiktiv. Ähnlichkeiten mit vorhanden Orten eher unvbeabsichtigt.

26.5.14 15:01
 
Letzte Einträge: Beschreibung meines kleinen Heimatdorfes, der gepflegte Umtrunk, Religion und Glauben


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